Wissenschaft kommunizieren

Professionelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Forscher, Hochschullehrer und Hochschulkommunikatoren

Autor(en)

Andreas Archut

Preis

24,99 € (130 Seiten, PDF)

Beschreibung

„Man kann nicht nicht kommunizieren!“ sagt Paul Watzlawick. Man kann auch Wissenschaft und Forschung nicht nicht kommunizieren, mag man ergänzen. Egal, ob Sie wollen oder nicht – Kommunikation gehört längst zu den Standardaufgaben eines jeden öffentlich finanzierten und geförderten Forschers, und die Qualität Ihrer Kommunikation ist längst ein Faktor, an dem Sie auch von Ihren Mittelgebern gemessen werden. Viele Forschungsförderer schreiben die publikumswirksame Veröffentlichung von Ergebnissen gleich in die Förderrichtlinien hinein, und auch, wenn das nicht eine explizite Verpflichtung ist, schadet es nie, seine Förderer durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit gut aussehen zu lassen.

Die Frage ist also nicht, ob Sie kommunizieren (wollen), sondern wie Sie das tun. Und auch auf diesem Gebiet ist genauso wie in der Forschung ein hohes Maß an Qualität und Professionalität gefragt, wenn man nicht Gefahr laufen will, mit dem Hintern umzustoßen, was man zuvor mühsam als Wissenschaftler aufgebaut hat.

Ihnen wird das nicht passieren. Als kleine Hilfestellung halten Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln und Erkenntnisse der Pressearbeit für Wissenschaft und Forschung in Händen. Sie soll Forschern helfen, sich im Umgang mit den Medien zu bewähren. Auch Presseverantwortliche von Hochschulen und Forschungseinrichtungen erhalten einen kompakten Überblick über das Feld. Nicht zuletzt ist diese Schrift als Unterstützung für diejenigen gedacht, die sich derzeit für den spannenden Beruf des Hochschul- bzw. Wissenschaftskommunikators qualifizieren wollen.

Wenn Sie sich lange theoretische Abhandlungen gewünscht haben, tut es mir leid. Denn unsere Schriftenreihe orientiert sich an der Praxis und hält sich nicht lange mit der Theorie auf. Checklisten, Praxistipps und Bespiele aus dem „wirklichen Leben“ sollen es Ihnen leicht machen, das Gelesene für Ihre Aufgaben umzusetzen. Viel Erfolg dabei!

Inhalt

  • Warum Wissenschaft kommunizieren?

    “Jetzt soll ich also auch noch Öffentlichkeitsarbeit machen?!“ – Zugegeben: Wissenschaftler haben eine Menge Aufgaben. Neben Forschung und Lehre verbringen sie viel Zeit in endlosen Gremiensitzungen der akademischen Selbstverwaltung, kümmern sich um Personalangelegenheiten, seufzen unter der Hochschulbürokratie, fertigen ohne Murren Gutachten um Gutachten, arbeiten Vorträge für die nächste Tagung aus und verfassen Anträge für neue Drittmittel. Mancher mag sich da fragen: Gibt es für die Kommunikation nicht die Pressestelle? Die Antwort lautet: Ja und nein. Denn die Kommunikation der Wissenschaft mit der Öffentlichkeit ist komplex, und selbst wenn Ihre Organisation hauptamtliche Kommunikatoren beschäftigt, kommen diese ohne Ihre Unterstützung nicht weit. Wir behaupten darum: Kommunikation ist neben Forschung und Lehre eine der Kernaufgaben von Wissenschaftlern. Und bekanntlich steht man auf drei Beinen am stabilsten!

  • Alles eine Frage der Strategie

    Kennen und organisieren Sie Ihre Kommunikationsstrukturen

    Wir haben Sie überzeugt! Sie würden am liebsten sofort loslegen mit der Kommunikation. Trotzdem bitten wir Sie an dieser Stelle noch um ein wenig Zeit für ein paar grundlegende Überlegungen. Denn bevor Sie richtig loslegen, sollten Sie sich vergewissert haben, wie die Rahmenbedingungen für Ihr Engagement in der Öffentlichkeitsarbeit sind. Dies lohnt sich für den einzelnen Wissenschaftler genauso wie für größere Organisationseinheiten.

  • Timing und Themenplan

    Wer in der Öffentlichkeitsarbeit nicht nur auf äußere Einflüsse reagieren, sondern aktiv einen Dialog mit seinen wichtigsten Zielgruppen führen möchte, der kommt um ein Mindestmaß an Planung nicht herum. Es bietet sich an, geeignete Themen vorab zu definieren und zum richtigen Zeitpunkt zu kommunizieren. Immer wieder öffnen sich für wissenschaftliche Themen „Gelegenheitsfenster“. Es gibt Ereignisse, auf die man sich vorbereiten kann oder die regelmäßig wiederkehren. So sind Meteorologen naturgemäß besonders gefragt, wenn wieder einmal ein schwerer Sturm, eine Hitzewelle oder die Frage nach einer „weißen Weihnacht“ anstehen. Geowissenschaftler werden bei Erdbeben schlagartig zu gefragten Ansprechpartnern für die Medien. Aber auch politische Debatten, Konflikte und Ereignisse wollen erklärt und kommentiert werden. In diesem Bereich haben die Medien einen schier unersättlichen Bedarf nach wissenschaftlicher Expertise.

  • Nutzen Sie Ihre Pressestelle!

    Gemeinsam kommt man schneller ans (Kommunikations-)Ziel

    Selbst wenn Sie als Wissenschaftler Einzelkämpfer sind, gehören Sie doch vermutlich einer Wissenschaftsorganisation, einem Forschungsinstitut oder einer Hochschule an. Und fast alle diese Einrichtungen verfügen heute über einen festen Ansprechpartner für die Medien. Zwar kann dies tatsächlich nur ein einzelner Mitarbeiter sein, aber eine Einrichtung, die sich heute erfolgreich in den Medien präsentieren will (und wer will das nicht?!), kommt um eine eigene Pressestelle mit einem Minimum an Ausstattung kaum herum. Wir leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Der Spezialisierungsgrad ist heute höher denn je zuvor. Es ist daher sinnvoll, dass Sie auf die Spezialisten in Ihrer Pressestelle zurückgreifen, statt sich in der Kommunikation nur auf sich selbst zu verlassen. Das gebietet schon die Vernunft: Vermutlich frankieren Sie auch nicht mehr selbst Ihre Briefe, reparieren kaputte Waschbecken oder leeren die Mülltonne des Instituts (und wenn doch: Herzliches Beileid!). Greifen Sie also auf das Know-how Ihrer Pressestelle zurück! Dort arbeiten Menschen, die sich den ganzen Arbeitstag lang mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit befassen und in der Regel über bessere Kontakte zu den Medien verfügen als Sie. Das sollten Sie nutzen!

  • Wenn Männer Hunde beißen

    Nachrichtenkriterien

    Was macht einen Text zur Nachricht? Die wohl bekannteste Definition verdanken wir John B. Bogart (1848-1921), Lokalredakteur bei der „New York Sun”: „When a dog bites a man, that is not news, because it happens so often. But if a man bites a dog, that is news.“ Vorgänge, die immer wieder stattfinden, die alltäglich sind und einem erwarteten Schema folgen, werden sich kaum als Nachricht eignen. Erst, wenn gewohnte Abläufe durchbrochen werden, wenn etwas Unerwartetes geschieht, ändert sich das. Was genau sind die Faktoren, die aus einer Nicht-Nachricht eine Nachricht machen? Bei näherem Hinsehen erkennt man schnell eine Reihe von allgemein gültigen Nachrichtenkriterien. Auch Nachrichten aus der Wissenschaft müssen erst einmal diese „Filter“ überwinden, wenn sie es in die Berichterstattung schaffen wollen. Es lohnt sich daher, genauer hinzuschauen. Denn ein Pressetext, der nicht mindestens eines dieser Nachrichtenkriterien bedient, hat kaum eine Chance, redaktionelle Berücksichtigung zu finden.

  • Kleines ABC der Pressetexte

    Wenn Redakteure zu Fietschern beginnen...

    Wer sich mit Textvorschlägen an die Medien wendet, der sollte die gängigsten journalistischen Darstellungsformen kennen. Einen Überblick gibt Ihnen dieses Kapitel. Sie werden sehen: Journalisten steht ein reichhaltiges Instrumentarium von Stilformen zur Verfügung. Prinzipiell kann man die vorwiegend informierenden Textformen von den kommentierenden Texten differenzieren, auch wenn diese Unterscheidung wohl nur im Idealfall gänzlich gelingt. Zu den elementaren Spielregeln des Journalismus gehört es, Nachrichten und Meinungen für den Leser erkennbar voneinander zu trennen. So kennzeichnete beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung bis vor kurzem noch Kommentare durch Überschriften in Frakturschrift. Eine völlig objektive Berichterstattung ist in nachrichtlichen Texten trotz aller Sorgfalt kaum möglich. Allein schon durch die Wortwahl, den Aufbau und die Auswahl der Inhalte formen Journalisten das Bild, das im Kopf ihrer Leser entsteht. Und natürlich enthält der Bericht über eine Veranstaltung auch immer die subjektive Sicht des Autors auf die beschriebenen Vorgänge. Die Textgattungen der vornehmlich informierenden Kategorie sind vielfältig, zu ihnen zählen die Nachricht, der Bericht, die Reportage, das Feature, das Porträt und das Interview. Als kommentierende Texte kennen wir insbesondere den Kommentar, die Glosse, die Kolumne und die Kritik bzw. Rezension.

  • All business is local

    Wie Wissenschaft in die Lokalmedien kommt

    Die Lokalredaktion hat vielleicht nicht das beste Image – doch nicht die Politik-, die Wirtschafts- oder die Feuilletonredaktion, sondern das Lokale bindet die Leser in erster Linie an ihre Zeitung und wird auch am intensivsten gelesen. Dies gilt es für die Wissenschaft zu nutzen. Denn wer auch im Lokalteil steht, wird besser wahrgenommen.

  • Die Pressemitteilung

    Die klassische Pressemitteilung entspricht in ihrem Aufbau am ehesten dem journalistischen Bericht. Sie besteht also aus einem ersten Absatz (dem Lead), in dem die wesentlichen Informationen genannt sind, gefolgt von weiteren Absätzen mit ergänzenden und Zusatzinformationen. Die Reihenfolge der Informationen ergibt sich aus ihrer Wichtigkeit für das Verständnis des Gegenstandes.

  • Auge in Auge mit der Presse

    Wenn Sie eine Pressekonferenz anberaumen, sollten Sie einen guten Grund haben! Denn in Zeiten, in denen immer weniger Stammpersonal in den Redaktionen immer mehr Aufgaben hat, ist es stets ein Kraftakt für einen Journalisten, seinen Schreibtisch zu verlassen. Der Weg zu Ihnen sollte sich rentieren. Rechnen Sie also mit einer hohen Erwartungshaltung der anwesenden Medienvertreter. Fest steht: Journalisten besuchen Ihre Pressekonferenz ganz bestimmt nicht aus Langeweile, oder weil es hinterher Schnittchen gibt. Sie erhoffen sich zusätzliche Informationen, die über das hinaus gehen, was man auch schriftlich hätte kommunizieren können, und spannende Gesprächspartner, die wirklich etwas zu sagen haben.

  • Fachleute verzweifelt gesucht

    Expertenvermittlung als Weg in die Öffentlichkeitsarbeit

    Experten sind in den Medien heute nahezu omnipräsent. Als Fachperson für Interviews, Statements und Kommentare zur Verfügung zu stehen, heißt, sich einen guten Zugang zur Öffentlichkeit zu erarbeiten. Wissenschaftler und Organisationen können diesen Kanal für den Erkenntnistransfer ebenso nutzen wie für die Öffentlichkeitsarbeit.

  • Es kann jeden treffen

    Krisen – und wie man sie durchsteht

    Jede Krise ist anders. Und dennoch: Man kann sich auf Krisen vorbereiten. Jede Branche, jeder Wissenschaftszweig hat dabei spezifische Krisenszenarien. Und das Verhalten der Betroffenen bestimmt maßgeblich den Verlauf der Krise und ihre Bewertung durch die Öffentlichkeit. Wer mangels Vorbereitung spontan agiert, weil die Zeit für eine sachliche Bewertung der Situation nicht mehr ausreicht, läuft Gefahr, zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Krisenkommunikation beginnt nicht erst, wenn die Sirenen heulen. Wie man sich als Wissenschaftseinrichtung auf PR-Krisen vorbereiten kann, zeigt dieses Kapitel.

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